2025-11-29
Die Restaurierung polychromer Bildwerke erfordert nicht nur theoretisches Wissen, sondern auch praktische Erfahrung. Besonders wertvoll wird diese durch internationalen Austausch, den ich bei einem spannenden Projekt während meiner Studienzeit erleben durfte.
Praktische Erfahrung im Studium sammeln
Die Hochschule für Bildende Künste Dresden organisierte 2005/06 zwei Sommerschulen zur Konservierung einer Kirchenausstattung aus dem frühen 18. Jahrhundert. Es war wunderbar, mit den Studierenden der Nikolaus-Kopernikus-Universität in Toruń und anderen Hochschulen zusammenzuarbeiten.
Dank des dicht am Altar aufgestellten Gerüsts konnten wir kleine Entdeckungen machen. So verbirgt sich beispielsweise ein Gesicht im Muster einer marmorierten Säule des Altars. Was zuerst wie die Arbeit eines humorvollen Fassmalers erscheint, ist in der Tat eine zeitgenössische Motivwahl. Ein Blick in die Literatur offenbarte, dass sich ein ähnliches Beispiel für diese Art der Gestaltung in den Arbeiten der Fassmalerfamilie Zellner findet, die im 18. Jahrhundert figürliche Darstellungen in ihre Marmorierungen integrierte. Denn auch bei der Restaurierung von polychromen Bildwerken ermöglicht erst die Verbindung von Theorie und Praxis ein tieferes Verständnis der Zusammenhänge.
Literaturauswahl zu polychromen Holzskulpturen
Wer sich weiter mit diesem Aspekt befassen möchte, findet in der Diplomarbeit von Eva Eis detaillierte Untersuchungen zu den Marmorierungen der Fassmalerfamilie Zellner. Darüber hinaus gibt es noch weitere interessante Abschlussarbeiten zu den Themen Konservierung und Kunsttechnologie. Auf ihren Websites stellen drei deutsche Hochschulen ausgewählte Dissertationen und Diplom-/Masterarbeiten vor, die teilweise heruntergeladen werden können. Das erleichtert die Recherche, vor allem zu einzelnen speziellen Fachthemen.
• Auf der Website der TU München↗ sind die Abschlussarbeiten nach Jahrgängen sortiert und stehen mehrheitlich als Volltext zum Download bereit.
• Die Website der HfBK Dresden↗ bietet eine Auflistung der Abschlussarbeiten aus drei Fachbereichen und für einige Dissertationen den Volltext.
• Das Hornemann Institut↗ der HAWK Hildesheim stellt Abschlussarbeiten in seiner Datenbank nicht nur mit einer Zusammenfassung vor, sondern auch andere Veröffentlichungen und ermöglicht eine Suche nach Begriffen.
Einen guten Überblick durch Beiträge in englischer und deutscher Sprache bietet die Veröffentlichung mit dem Titel Polychrome Skulptur in Europa. Technologie, Konservierung, Restaurierung. Das Landesmuseum Württemberg in Stuttgart präsentierte in einigen Katalogen Erkenntnisse zur Technik der Skulptur, beispielsweise in Meisterwerke massenhaft Skulpturen und Tafelbilder aus der Werkstatt von Niklaus Weckmann. Seit 1989 arbeitet das Museum an einem Werkverzeichnis der mittelalterlichen Skulpturen in seiner Sammlung, der neueste Teil ist online↗ zu finden.
Beispiele für internationale Ressourcen
Institutionen aus Sachsen und der Tschechischen Republik haben gemeinsam spätmittelalterliche Holzskulpturen und Tafelbilder in dieser Grenzregion erforscht. Um alle Ergebnisse auf der zweisprachigen (Deutsch/Tschechisch) Website↗ einsehen zu können, ist eine Anmeldung erforderlich.
Wer sich für Fachliteratur, Websites oder Ausstellungen interessiert, dem sei der faszinierende Newsletter von Marta Estadella Colomé↗ zu polychromen Skulpturen empfohlen, den sie in englischer und katalanischer Sprache veröffentlicht. Marta Estadella Colomé beleuchtet das Thema inzwischen nur noch einmal im Jahr mit einem Gastbeitrag. Es war eine Freude, an einer ihrer Ausgaben↗ mitzuwirken.
Die Kunstschaffenden waren häufig über die heutigen Landesgrenzen hinweg tätig, und durch Sammlertätigkeit sind ihre Werke weltweit verstreut. Forschung und Restaurierung profitieren daher entscheidend vom internationalen Austausch.
Das Thema der polychromen Skulptur ist breit gefächert und umfasst nicht nur Bildwerke aus Holz. Während mein Schwerpunkt auf gefassten Holzbildwerken liegt, habe ich mich im Rahmen meiner Dissertation auch mit der Rezeption antiker Polychromie im 19. Jahrhundert beschäftigt. Wer sich für die gefassten Gipsabgüsse antiker Skulpturen um 1900 interessiert, findet dazu mehr in einem früheren Blogbeitrag.

Silke Beisiegel - 22:18 @ Material und Technik, Restaurierung, Bildwerke