Dr. Silke Beisiegel
Diplom-Restauratorin für Ihre Gemälde, Rahmen und gefassten Holzskulpturen



BeisiegeLOG: Maltechnik & Restaurierung im Detail


Wie sind Gemälde und Skulpturen entstanden und welche Spuren helfen, den Werkprozess zu entschlüsseln? Wie können Kunstwerke erhalten werden?

In meinem Blog gebe ich Einblicke in die kunsttechnologische Forschung sowie in die Konservierung und Restaurierung von Gemälden und gefassten Holzskulpturen. Dabei geht es sowohl um technische Untersuchungen als auch um praktische Herausforderungen.


Die Beiträge beleuchten für Kunstinteressierte Fragen rund um Materialien und deren Verwendung in Kunstwerken sowie deren Erhaltung.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Kunst des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Ergänzend wird für alle, die mehr über das Thema wissen möchten, auf weiterführende Fachliteratur, digitale Publikationen und Datenbanken verwi
esen.

 

Stilisierte Darstellung des Blicks durch das Mikroskop: runder Auschnitt zeigt Gemäldedetail



Willkommen bei BeisiegeLOG!

Ich bin promovierte Restauratorin für Gemälde und gefasste Holzskulpturen mit einem Faible für maltechnische Details und die Kunst um 1900.
In meinem Blog verbinde ich Forschung und Praxis – mal sachlich, mal mit einem Augenzwinkern.

Denn die Freude an der Kunst und ihrer Erhaltung begleitet mich durch alle Projekte.


Alle Blogartikel im Überblick: Hier geht es zum Blog-Inhaltsverzeichnis.



Beiträge zu Maltechnik & Restaurierung im Detail

Der nächste Beitrag in diesem Blog erscheint voraussichtlich am 02.03.2026.




2026-02-01

Bemalte Textiltapeten im Herrenhaus Ermlitz: 2. Teil Maßnahmen am Roten Salon

Während der vorherige Blogbeitrag die historischen und technischen Grundlagen des Roten Salons beschrieb, liegen die Schwerpunkte dieses Beitrags auf den Rahmenbedingungen, dem Erhaltungszustand und der Ausführung. Ziel der Maßnahmen war es, die fragile Substanz zu stabilisieren und die Tapeten wieder raumwirksam zu präsentieren. Dabei sollten reversible Lösungen gefunden werden.

Projektbedingungen
Die Tapeten des Roten Salons waren bereits abgenommen, als die Untersuchungen im Rahmen des von 2008 bis 2010 durchgeführten Restaurierungsprojekts der Hochschule für Bildende Künste Dresden stattfanden. Ein dreiköpfiges Restauratorinnenteam arbeitete vor Ort und wurde während der vorlesungsfreien Zeit von Studierenden unterstützt. Neben der praktischen Einbindung der Studierenden, beschäftigten sich auch mehrere Diplomarbeiten mit einzelnen Fragestellungen zur Erhaltung der Textiltapeten.
Eine gute Organisation ermöglichte den reibungslosen Ablauf der Arbeiten an etwa 68 m² Tapetenfläche in der Werkstatt vor Ort und an den Wandmalereien im historischen Raum selbst. Die Größe der Werkstatt erlaubte das Arbeiten an mehreren Tapetenbahnen, um so einen harmonischen Gesamteindruck zu erreichen. Parallel dazu wurde die klimatische Situation der Räume erfasst und die Wandmalereien von Studierenden der Dresdner Hochschule restauriert.

Nutzungsspuren und Substanzverlust
Die Schäden sind auf frühere Nutzung, Alterung und Materialveränderungen zurückzuführen. Der größte Verlust entstand durch die nachträgliche Installation von Heizkörpern, wofür Bereiche im Lambris herausgeschnitten wurden. In der Leinwand befinden sich Risse und Löcher, die durch eine Versprödung der Leinwand verstärkt wurden. Dadurch ist die Stabilität des Bildträgers beeinträchtigt. Das aufstehende und dadurch gefährdete Malschichtcraquelé, insbesondere in dunklen Partien, geht auch mit Fehlstellen einher.
Die optische Erscheinung der Tapeten hat sich verändert. Die Oberfläche ist stark verschmutzt und weist Wasserflecken sowie Farbspritzer von Deckenanstrichen auf. Besonders in den Farben zeigen sich die Materialveränderungen, wie etwa beim verblassten roten Farblack und in der oxidierten Blattmetallauflage, die einst golden war und nun dunkelbraun erscheint.

Ausführung der Maßnahmen
Für jede Maßnahme wurden Tests durchgeführt, um sie an die empfindliche Malerei anzupassen. Die Fachliteratur zur Erhaltung wasserempfindlicher Malerei bot eine gute Grundlage für eigene Versuche. Erste Erfolge an kleinen Testfeldern wurden dann auf ihre Eignung für die Fläche geprüft.
Es zeigten sich jedoch auch Grenzen, da sich die Wasserränder und störenden Spuren späterer Eingriffe nicht reduzieren ließen. Daher wurden sie retuschiert. Die durch Alterung bedingten farblichen Veränderungen sind irreversibel und bleiben sichtbar – sie gehören zur Geschichte des Objekts.
Parallel zur Festigung gelockerter Malschichten wurde die Oberfläche trocken gereinigt. Die Stabilisierung der Leinwand erfolgte durch Rissschließung und Ergänzung verlorener Partien in Einzelfadenverklebung.
Nach der Kittung konnten die Tapeten wieder im Raum angebracht werden. Mithilfe historischer Aufnahmen konnte jedes Tapetenstück seinem ursprünglichen Ort zugeordnet werden. Die reversible Wiederanbringung der Tapeten stellte eine besondere Herausforderung dar. Mögliche Methoden wurden intensiv an Nachbildungen geprüft. Die Entscheidung fiel auf eine minimalinvasive Anbringung mithilfe von Magneten und Klettbändern. Diese Methode ermöglicht eine flache Anbringung der Tapeten an der Wand, ohne dass die Bausubstanz für eventuelle Spannrahmensysteme ausgehöhlt werden muss. Zudem kann die Bildträgerspannung nachreguliert werden. Die Retusche erfolgte unter den Lichtbedingungen des Roten Salons. 

Fazit
Die Zusammenarbeit im Rahmen des Projekts, vor allem mit den verschiedenen Fachbereichen, war bereichernd und stellte ein Lehrstück für die Organisation dar. Die exemplarische Auseinandersetzung mit der Erhaltung wasserempfindlicher Malerei und deren reversiblen Wiederanbringung bietet eine gute Erfahrungsgrundlage für die Maßnahmen an anderen Kunstwerken. Besonders eindrücklich war es, eine restaurierte Ausstattung wieder an ihrem ursprünglichen Ort präsentieren zu können. So ist sie wieder in ihrer räumlichen Wirkung und als Teil eines historischen Ensembles erfahrbar.

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Silke Beisiegel - 14:17 @ Restaurierung


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